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Stand: 07.12.2018

Pressemitteilung

Ökumenische „Woche für das Leben“: Sorge und Seelsorge für Sterbende

Ehrenamtliche Hospizbegleiterin Meta Lermann im EinsatzDankbarkeit, Sinn und Entschleunigung erfährt Meta Lermann (links) in ihrem Ehrenamt.  Gabriele John-Neumann/DiCV Speyer

Frau Lermann, was gefällt Ihnen an Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

Sie hält mein Interesse wach, gibt mir Leichtigkeit, lehrt mich, genau hinzusehen und hinzuhören. Sterbende zu begleiten, weckt die Ehrfurcht vor dem Leben.

Außerdem tut es gut, wenn man spürt, dass das, was man macht, eine Wirkung hat. Wir haben keinen Zeitdruck. Es geht eben nicht darum immer schneller, immer mehr, immer perfekter, sondern es geht um Tiefe und um Begegnung.

Was gibt Ihnen die ehrenamtliche Tätigkeit?

Spaß… ja, Sie haben richtig gehört. Die Begegnung mit Menschen macht mir Freude, man bekommt so viel zurück. Ich habe zum Beispiel mal ein Ehepaar begleitet. Sie waren wirklich arm und gebrechlich und allein auf der Welt. Durch Information und Beistand konnten wir einiges regeln und auch nicht nur finanzielle Hilfen installieren. Die Frau hatte so wunderschöne Zimmerlinden, die ich immer sehr bewunderte. Eines Tages wollte sie mir unbedingt etwas zurückgeben, mich bezahlen. Aber das geht natürlich nicht. Wir können und wollen nichts annehmen im Ehrenamt. Das macht es den betreuten Menschen manchmal schwer, ihre Dankbarkeit zu zeigen. Aber dann hatte die Frau eine Idee: "Ich schenke Ihnen einen Setzling meiner Zimmerlinden, ein kleines Dankeschön können Sie mir nicht verwehren." Ja, und ich habe diesen Setzling gut gehütet, er ist groß geworden und heute denke ich immer an sie, wenn ich mit meiner Zimmerlinde rede und manchmal gebe ich selbst einen Setzling weiter…

Haben Sie keine Angst vor Corona?

Nein. Wir haben ein gutes Hygienekonzept, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Ergänzend würde ich durchaus auch ein paar Hausmittel empfehlen, Vitamin C, Gurgeln, Nasenöl und ähnliches…

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, ich habe aber noch keine Lust zu sterben…Einmal habe ich eine Frau begleitet, sie war sehr schwer krank. Wir feierten ihren 90 Geburtstag und dann stellte sich heraus, dass sie noch gar nicht so alt war - erst 88. Den 90. hat sie nicht mehr geschafft, aber gefeiert hatte sie ihn! Sie hatte auch noch keine Lust zu sterben, als wir uns das erste Mal begegnet waren. Und dann ging es sogar wieder eine geraume Zeit lang bergauf und sie befürchtete, dass ich nicht mehr kommen könnte, weil sie ja nicht mehr sterbend war. Aber so ist das natürlich nicht. Wir sind froh, wenn wir ein bisschen länger Zeit haben, zum Kennenlernen, zum Geschichten austauschen und zum Gernhaben.

 

Haben Sie eine Empfehlung für Menschen, die ins Ehrenamt wollen?

Ja: Trau dich! Lass dich ein. Man erlebt Dankbarkeit, Sinn und Entschleunigung. Es lohnt sich, man lernt fürs eigene Leben und auch die Familie profitiert davon. Man wird sensibler für die leisen Töne und genießt mehr den Augenblick. Der so kostbar wird im Bewusstsein, dass wir endlich sind.

Und wenn Sie alles auf einen Nenner bringen müssten- gäbe es da ein Wort?

Ja…Zwischenmenschlichkeit!

Das Interview führte Gabriele John-Neumann, Koordinatorin des ökumenischen ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz

Hintergrund: Ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz

Die Mitarbeiterinnen des Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes begleiten und unterstützen schwerkranke und sterbende Menschen auf dem letzten Stück ihres Lebensweges in ihrer Häuslichkeit, im Pflegeheim und im Krankenhaus. Für Angehörige und Freunde sind sie in dieser Zeit ebenfalls Ansprechpartnerinnen und Begleiterinnen.

Das Ziel ist es, dass unheilbar Kranke und Sterbende bis zuletzt in ihrer gewohnten Umgebung würdig leben können, mit verständnisvollen Menschen an ihrer Seite, guter palliativer Beratung und möglichst ohne Schmerzen.

Das Team besteht aus hauptamtlichen Hospizfachkräften sowie ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen und Begleitern, die für Schwerkranke, Sterbende, deren Angehörige und Freunde da sind und sie unterstützen. Jährlich werden ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter ausgebildet.

Hausärzte, das SAPV-Team vom St. Jakobushospiz, Pflegedienste und andere ambulante und stationäre Einrichtungen wirken zusammen, damit die Betroffenen gut aufgehoben sind.

Träger des Dienstes sind der Caritasverband für die Diözese Speyer und das Diakonische Werk der Pfalz. Der Dienst ist kostenlos.

Informationen zur "Woche des Lebens"

Auf der Internetseite finden Interessierte weitere Informationen:
www.woche-fuer-das-leben.de

 

Text und Bild: Ökumenischer ambulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz, Mainzer Straße 6, Homburg.




 

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